Informationssicherheit als strategischer Reifegrad in der Automotive-Lieferkette

In der modernen deutschen Automobilindustrie hat sich der Fokus bei der Auswahl von Zulieferern grundlegend verschoben: Die Informationssicherheit ist von einer bloßen vertraglichen Nebenpflicht zu einem entscheidenden Kriterium für die Auftragsvergabe geworden.

Deutsche Automobilhersteller verlassen sich heute nicht mehr auf reine Zusicherungen, sondern fordern den systematischen Nachweis über den Reifegrad der Sicherheitsbemühungen.

Dieser Trend wird durch die zunehmende Cyber-Bedrohungslage und die tiefe digitale Integration der Lieferketten getrieben.

Ein Schwachpunkt bei einem mittelständischen Teilelieferanten kann potenziell die gesamte Produktion eines Konzerns gefährden. Daher wird die Informationssicherheit bei Zulieferern heute mit einer ähnlichen Akribie geprüft wie die Fertigungsqualität oder die finanzielle Stabilität.

Das Bestehen dieser Assessments ist zur „License to Business“ geworden – ohne einen nachgewiesenen Reifegrad, meist dokumentiert durch ein TISAX-Label, bleiben Zulieferer bei neuen Ausschreibungen oft gänzlich unberücksichtigt. Damit forcieren die Hersteller ein branchenweit hohes Schutzniveau, das weit über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgeht.

Ergänzend lässt sich feststellen, dass deutsche Automobilhersteller heute verstärkt anerkennen, dass auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) – etwa spezialisierte Ingenieurbüros oder Nischenfertiger – eine strategische Bedeutung für die eigene Wertschöpfungskette besitzen.

Da diese Firmen oft über hochsensibles Spezialwissen verfügen, aber gleichzeitig seltener über die Ressourcen für komplexe Zertifizierungen verfügen, sind sie ein attraktives Ziel für Cyberangriffe.

Für Zulieferer, die zum Zeitpunkt einer Beauftragung noch kein TISAX-Label vorweisen können, haben die OEMs differenzierte Strategien entwickelt:

  • Übergangsfristen und Entwicklungspläne: Anstatt diese Partner sofort auszuschließen, werden oft verbindliche Zeitpläne vereinbart. Der Zulieferer erhält den Auftrag unter der Auflage, den Reifegrad seiner Informationssicherheit innerhalb einer festgesetzten Frist auf das geforderte Niveau zu heben.

  • Risikobasierte Sonderfreigaben: In Ausnahmefällen erlauben Hersteller befristete Freigaben, sofern das Risiko durch zusätzliche Schutzmaßnahmen – wie etwa den Verzicht auf direkte Systemanbindungen oder die Arbeit in isolierten Datenräumen – minimiert wird.

  • Support und Enablement: Viele OEMs unterstützen ihre kleinen Partner aktiv durch Leitfäden oder Best-Practice-Sharing, da sie erkannt haben, dass die Sicherheit des Gesamtsystems nur so stark ist wie sein schwächstes Glied.

Letztlich zeigt sich hier ein pragmatischer Wandel:

Das Assessment dient nicht mehr nur als starre Zugangsschranke, sondern als Instrument zur gemeinsamen Risikominimierung, um die Innovationskraft auch kleinerer Spezialisten sicher nutzbar zu machen.

Wir sind Berlins IT-Sicherheitsmanager

Wenn Sie Fragen zur Informationssicherheit in Ihrer Organisation haben, dann sprechen Sie uns bitte an. So erreichen Sie uns:

030 39820 5700